Soziale Arbeit in der Demenzberatung

Laufzeit
01.09.2018 – 30.06.2019
Projektstatus
abgeschlossen
Soziale Arbeit in der Demenzberatung

Das Projekt baut auf den Ergebnissen des Bachelorprojektes "Soziale Arbeit und Demenz" auf, in dem analysiert wurde, welche Aufgaben im Kontext der Demenzberatung tätige SozialarbeiterInnen übernehmen und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben.


Deutlich wurde, dass SozialarbeiterInnen mit ihrem spezifischen professionellen Hintergrund im Rahmen der Demenzberatung wichtige Beratungs-, Informations-, Vermittlungs- und Verweisungsarbeit für Betroffene und Angehörige leisten. Aktiv tätig sind SozialarbeiterInnen z. B. bereits etwa in Oberösterreich und in der Steiermark, in Niederösterreich hingegen bisher noch kaum. Dies hängt u. a. damit zusammen, dass das professionelle Potential von Sozialarbeit für diesen Kontext noch wenig bekannt ist und bisher nur wenige SozialarbeiterInnen in der Alten- und Angehörigenbetreuung beruflich tätig sind.


Die Umsetzung der Niederösterreichischen Demenzstrategie bietet SozialarbeiterInnen grundsätzlich die Möglichkeit, in diesem Bereich tätig zu werden, wenn sie Weiterbildungen in diesem Bereich vorweisen können. De facto wird es allerdings erforderlich sein, dass bereits jetzt in diesem Kontext tätige Träger wie etwa Caritas, Hilfswerk und Volkshilfe auch dazu bereit sind, das Potential der Sozialen Arbeit zu erkennen und Sozialarbeiterinnen in ihren Organisationen zu beschäftigen.


Ziel des Projektes ist einerseits, zu klären, welche Voraussetzungen für diese Organisationen gegeben sein müssen, um SozialarbeiterInnen für diese Aufgabe auch tatsächlich zu beschäftigen. Andererseits wird analysiert, welche Voraussetzungen für SozialarbeiterInnen erforderlich sind, um eine Berufstätigkeit im Rahmen der Demenzberatung anzustreben. Der Mehrwehrt der Sozialen Arbeit in dieser Thematik wird im Zuge dieses Projekts näher beleuchtet werden.


Projektendbericht

In dem Projekt wurden insgesamt 33 Interviews mit in der Demenzberatung tätigen ProfessionistInnen, darunter SozialarbeiterInnen, diplomierten Pflegekräften, ÄrztInnen und PsychologInnen sowie mit Angehörigen von an Demenz erkrankten Personen und mit an diesem Tätigkeitsbereich  interessierten Studierenden durchgeführt. Darüber erfolgten auch Beobachtungen bei der Durchführung von Demenzberatungen.

Zentrale Ergebnisse


Die Analysen der Erhebungen haben ergeben, dass sowohl ProfessionistInnen in Langzeitpflegeeinrichtungen, teilstationären Einrichtungen und der mobilen Hauskrankenpflege in Niederösterreich das Potential Sozialer Arbeit im Bereich der Demenzberatung klar erkennen und Möglichkeiten zur Entlastung für diplomierte Pflegekräfte sehen. Als Mehrwert wird insbesondere von ÄrztInnen und PsychologInnen explizit die Beratung in rechtlichen Belangen sowie psychosoziale
Unterstützung genannt.

SozialarbeiterInnen werden als Vertraute und WegbegleiterInnen bezeichnet, die in den verschiedenen Phasen der Erkrankung für die betroffenen Menschen eine wertvolle emotionale Stütze sein können. In einem Setting, in dem auf SozialarbeiterInnen zurückgegriffen werden kann, ist es für die anderen Professionen möglich, sich gut auf den eigenen Auftrag zu konzentrieren. Durch psychosoziale Beratung, eine der Grundkompetenzen der Sozialen Arbeit, können Angehörigen entlastet werden. Soziale Arbeit kann Angehörigen in der Demenzberatung einen Überblick über regionale, materielle Unterstützungsleistungen sowie Entlastungsangebote bieten. Sie könnte im Demenzservice Niederösterreich insbesondere durch eine proaktiv, zugehende Vorgehensweise als wichtige Schnittstelle zwischen Betroffenen, Angehörigen, HausärztInnen und Pflegediensten agieren und dadurch einen niederschwelligen Zugang zu Hilfeleistungen ermöglichen.

Während SozialarbeiterInnen, die schon länger in diesem Bereich arbeiten, Empathie, Kommunikation und Haltung als wesentliche Voraussetzung genannt haben, so sehen BerufsteinsteigerInnen zunächst vor allem den Erwerb von Fachwissen als vordergründig an. Von den in der Demenzberatung tätigen ProfessionistInnen werden von SozialarbeiterInnen in fachlicher Hinsicht das Bewusstsein für und die Kenntnis um die Erkrankung selbst betont. Sie erwarten sich von in diesem Bereich professionell tätigen  SozialarbeiterInnen Grundkenntnisse um Symptome und den Verlauf einer Demenzerkrankung, die Bündelung von Wissen und Informationen zu Fragen der materiellen Grundsicherung und des Rechts.

Zudem sollen SozialarbeiterInnen nicht nur in der Lage sein, Ressourcen zu erkennen, zu aktivieren und zu fördern, sondern auch gemeinsam mit den NutzerInnen Ziele formulieren und an deren Erreichung zu arbeiten. Erwartet wird darüber hinaus auch eine zentrale Rolle in der Vernetzung der Hilfesysteme zu übernehmen.

Publikationen

Kontakt

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Institutsleiter Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung
FH-Dozent
Stellvertretender Studiengangsleiter Soziale Arbeit (MA)
Department Soziales
Arbeitsplatz: F - Herzogenburger Straße 68 Süd
M: +43/676/847 228 555