Anwendungspraxis von Case Management in Österreich

Laufzeit
01.09.2016 – 30.06.2018
Projektstatus
abgeschlossen

Anwendungspraxis von Case Management in Österreich


Seit einigen Jahren gewinnt Case Management auch im Österreichischen Sozial- und Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Dabei fällt auf, dass sich die Modelle hinsichtlich ihrer Definitionen, handlungsleitenden Prinzipien und methodischen Ausgestaltung deutlich voneinander unterscheiden. Auch bezüglich der Qualifikationen der eingesetzten Case ManagerInnen und der organisationalen wie sozialräumlichen Verankerung ist eine große Diversität feststellbar.


In diesem Masterprojekt befassen sich die Studierenden mit den Spezifika eines Social Work Case Management und entwickeln einen Kriterienkatalog, entlang dessen die Anwendungspraxen einer kritischen Würdigung unterzogen werden. Die Ergebnisse werden den untersuchten Einrichtungen zur Verfügung gestellt und sollen den Fachdiskurs und die Weiterentwicklung des Case Managements in Österreich fördern.


Projektkurzbericht

Neun Studierende untersuchten, wie CM in Österreich zur Anwendung gelangt. Sieben der Studierenden haben im April 2018 eine gemeinsame Masterarbeit vorgelegt: Nach einer Einführung in das Verfahren und Organisationskonzept CM werden drei Untersuchungen der österreichischen CM-Praxis vorgestellt.

Nikita Felder, Stefanie Gebesmair, Kathrin Gräble und Hannah-Christina Nebosis widmen sich der Frage, wie Prinzipien eines Social Work Case Management in den Wiener Organisationen Regionales Kompetenzzentrum (rKomZ) des Programms ‚Alkohol.Leben Können‘ sowie ‚Startbegleitung für Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte‘ der Interface GmbH zur Anwendung gelangen. Sie arbeiten heraus, dass rKomZ tendenziell als systemorientierte CM-Anwendung mit dem Fokus auf der Broker- und Gatekeeper-Funktion verstanden werden kann, während Interface Beispiel eines klientInnen-orientiertes Modell mit dem Fokus auf Advocacy und Social Support ist. Dementsprechend finden sich im rKomZ nur wenige Hinweise auf die Umsetzung der in der Fachliteratur postulierten Prinzipien, während diese bei Interface handlungsleitend sind.

Maria Weinberger und Claus-Clemens Lichtenthäler befassen sich mit der Betrieblichen Wiedereingliederung. An den Beispielen der ÖBB, des Magistrats Linz, des Magistrats Graz sowie des Med Campus III des Kepler Universitäts Klinikums arbeiten sie die Vielfalt der Ausgestaltung der einzelnen Phasen des Regelkreises trotz der Vergleichbarkeit des formalen Prozessablaufs heraus. Sie zeigen, dass Interventionen und Interventionsspielräume auf Fallebene davon abhängig sind, wie CM als organisationales Konzept implementiert wurde. Herausgearbeitet wird schließlich die Bedeutung der Vernetzung und Beziehungsarbeit mit allen relevanten AkteurInnen – und zwar bereits während der Implementierung von CM. Diese Kooperation erhöht die Wahrscheinlichkeit von passgenauen Unterstützungen im Einzelfall, erzeugt aber auch Spannungsfelder für Case ManagerInnen – auch deswegen, weil sie den AkteurInnen nicht bloß als Case ManagerInnen, sondern auch als KollegInnen begegnen.    

Brigitte Grünsteidl untersucht anhand der Organisationen Netzwerk Gehirn OÖ, Pflege- und Beratungsnetzwerk Vorarlberg und Chance B wie institutionelle Netzwerkarbeit betrieben wird. Sie arbeitet die unterschiedlichen Strukturen der organisationalen Netzwerke dieser Einrichtungen heraus und zeigt, welche Faktoren auf die institutionelle Netzwerkarbeit und das Verständnis des zur Anwendung gelangenden CM Einfluss nehmen: Die Interessen der AkteurInnen im Feld; die persönliche Haltung der am CM-Prozess beteiligten Personen – und zwar insbesondere jene mit Entscheidungs- und Gestaltungsmacht; die Art der Kooperationsbeziehungen im Netzwerk; die Positionierung der CM-Organisation im Netzwerk und nicht zuletzt die politischen Interessen.

Masterarbeiten

Felder, Nikita / Gebesmair, Stefanie / Gräble, Katrin / Grünsteidl, Brigitte / Lichtenthäler, Claus-Clemens / Nebosis, Hannah-Christina / Weinberger, Maria Katharina (2018): Anwendungsbeispiele von Case Management in Österreich. Masterthese zur Erlangung des Grades Master of Arts in Social Sciences an der Fachhochschule St. Pölten.

Pahidra Link: https://phaidra.fhstp.ac.at/o:3399

Kontakt

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FH-Dozentin
Department Soziales
Arbeitsplatz: F - Herzogenburger Straße 68 Süd