Erwachsenenschutzgesetz neu - Umsetzung aus verschiedener Perspektive



Die gesetzliche Regelung der Erwachsenenvertretung sieht vor, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer vergleichbaren Beeinträchtigung dabei zu unterstützen sind, ihre Angelegenheiten möglichst selbständig erledigen zu können. Es darf keine Erwachsenenvertretung tätig werden, wenn sich diese Menschen selbst vertreten können oder eine entsprechende Unterstützung erhalten. Das Gesetz zählt als Unterstützungsmöglichkeiten neben der Familie und anderen nahe stehenden Personen besonders Einrichtungen auf, die Soziale Arbeit leisten.


Die gesetzliche Veränderung weg von der Sachwalterschaft hin zu Förderung der Autonomie, der Selbstbestimmung und der Entscheidungsfreiheit von betroffenen Menschen wurde unter Mitgestaltung aller beteiligten Personen und Personengruppen in Form eines Dialoges entwickelt. Daher sollen auch im Zuge dieses Bachelorprojektes bereits bestehende Unterstützungsangebote aus Sicht der NutzerInnen sowie aus Sicht der UnterstützerInnen beleuchtet werden, um die Rolle der Sozialen Arbeit in bereits bestehende Strukturen zu erkennen, aber auch um neue, noch erforderliche Handlungsmöglichkeiten für betroffenen Menschen sowie für die Soziale Arbeit zu entwickeln.


Projektendbericht

Im Zuge der Projektwerkstatt „Erwachsenenschutzgesetz neu – Umsetzung aus verschiedenen Perspektiven“ entstanden unter der Leitung von Claudia Moharitsch und Monika Vyslouzil Bestandsanalysen aus den Perspektiven und Erfahrungen von betroffenen und beteiligten Personen sowie Strategien und Empfehlungen für zukünftige Handlungsmöglichkeiten für Akteur*innen im Erwachsenenschutzgesetz.

Der Prozess der Gesetzesänderung weg von der Sachwalterschaft hin zum 2. Erwachsenenschutzgesetz, vor allem hin zur Förderung der Autonomie, der Selbstbestimmung und der Entscheidungsfreiheit von betroffenen Menschen wurde partizipativ unter Mitgestaltung von beteiligten Personen und Personengruppen in Form eines Dialoges entwickelt. Im Projekt wurde erhoben, wie nun die Umsetzung des Gesetzes aus verschiedenen Perspektiven erlebt wird, welche Unterstützungsmaßnahmen greifen, wo es Kritik gibt und welche Fragen derzeit noch offen bleiben.
Als Output der Projektwerkstatt wurde ein Podcast aufgenommen, der in das Thema einführt und einen Überblick über die gesammelten Forschungsergebnisse der Studierenden gibt. Nachgesprochene Ausschnitte aus den geführten Interviews geben einen authentischen Einblick sowohl in den Forschungsprozess als auch in die Lebens- und Arbeitsrealität von vertretenen Personen sowie deren Vertreter*innen und anderen involvierten Personen.

Die in den Bachelorarbeiten behandelten Themen umfassen die Herausforderungen bezüglich der Selbstbestimmung Betroffener aus Sicht professioneller Fachkräfte aber auch hinsichtlich einer Vertretung durch Angehörige. Die Erfahrungen von Rechtsanwält*innen sowie von ehrenamtlichen Vertreter*innen mit dem neuen Gesetz wurden ebenso untersucht wie die Umsetzung von Kontakt und Austausch mit den Klient*innen. Weitere Arbeiten widmen sich dem Clearing, dem Stellenwert einer guten Beziehung zwischen Vetreter*in und Klient*in oder auch den Herausforderungen bei medizinischen Behandlungen von vertretenen Personen. Außerdem wurde erforscht, wie Menschen mit Lernschwierigkeiten in Bezug auf die Inhalte des Erwachsenenschutzgesetzes ermächtigt werden können, wie sich eine Vertretung am Arbeitsmarkt für die Betroffenen auswirkt und es fand eine Evaluierung der Anregungspraxis statt.

Wie sich aus den Ergebnissen der Projektwerkstatt zum 2. Erwachsenenschutzgesetzes herauslesen lässt, hat die Gesetzesänderung viel Positives bewirkt und angeregt aber auch viele Fragen zum Beispiel hinsichtlich der Informationsweitergabe oder praktischen Umsetzung bei allen beteiligten Personen aufgeworfen. Zu hoffen bleibt, dass wenn sich umsetzbare Änderungswünsche von Erwachsenenvertreter*innen, vertretenen Personen sowie anderen Beteiligten an das 2. Erwachsenenschutzgesetz ergeben, nicht wieder gut 30 Jahre für eine nächste Reform des Gesetzes vergehen.

 

Podcast der Studierenden

Inhaltsübersicht des Podcast

00:00 – Intro

01:10 – Einführung zur Entwicklung der rechtlichen Gegebenheiten vom Sachwalterrecht zum 2. Erwachsenenschutzgesetz

09:31 – Audiostatements von betroffenen Personen und Professionist*innen im Feld

17:06 – Interview mit Claudia Moharitsch, Mitgründer*in und Vorsitzende des Vereins Lichtpunkt

36:13 – Erfahrungsaustausch von Studierenden zu ihren Bachelorarbeiten und zum Forschungsprozess

57:42 – Zusammenfassung von ausgewählten Ergebnissen aus den Bachelorarbeiten

Externe Projektleitung
Claudia Moharitsch-Behofsits, BA
Laufzeit
01.09.2019 – 30.06.2020
Projektstatus
abgeschlossen