Social Prescribing – Sozialarbeit auf Rezept?



Allgemeinmediziner*innen erkennen in der Praxis der Patient*innenbehandlung häufig psychosoziale Probleme oder unmittelbar soziale Herausforderungen ihrer Patient*innen. Darauf einzugehen fehlt einerseits die Zeit, andererseits aber auch entsprechende Möglichkeiten, Patient*innen zu einer Ansprechstelle zu überweisen die sich dieser vielfältigen Probleme annimmt. Sozialarbeiter*innen in den Primärversorgungszentren sind dazu ein erfolgreicher Ansatz. Für die weiten Teile des "Krankheitswesens" wie Spitäler, Arztpraxen stehen diese Ressourcen kaum oder überhaupt nicht zur Verfügung.


Primär im englischen Sprachraum gibt es entsprechende Verweisungen von ärztlichen, pflegerischen Kolleg*innen, aber auch anderen "klinischen" Professionen wie Physio- oder Ergotherapeut*innen zu Sozialarbeiter*innen. Diese Fachkräfte werden auch "Link Worker" oder "Well-Being Coordinator" genannt und fungieren nach einem entsprechendem Clearing als Navigator zu weiteren – insbesondere nicht medizinischen – Ressourcen. Das umfasst das gesamte Feld der Sozialarbeit wie Bewährungshilfe, Drogenberatung, Schuldenberatung, soziale Grundsicherung, Institutionen die bei Arbeitslosigkeit unterstützen, Anti-Gewaltinterventionsstellen, betreute Wohngruppen oder Notschlafsstellen.


Ein wesentlich umfangreicherer und schwer zu erfassender Teil sind informelle und halbformelle Ressourcen im jeweiligen unmittelbaren Sozialraum: Nachbarschaftsnetzwerke, Frauengruppen, Feuerwehren, Vereine aller Art, Sportinitiativen, Seniorenverbände, Jugendgruppen, religiöse und kulturelle Institutionen wo Menschen sozialen Anschluss finden können.


Das Projekt erforscht den internationalen Stand zu Social Prescribing und entwickelt Umsetzungsideen für eine Anwendung in Österreich, ausgehend von unterschiedlichen spezifischen Kontexten.


Externe Projektleitung
Dr. Eva Pilz
Dr. Timo Fischer
Laufzeit
01.09.2020 – 30.06.2022
Projektstatus
laufend