Handlungskompetenzen Sozialer Arbeit

Laufzeit
01.09.2016 – 30.06.2018
Projektstatus
abgeschlossen

Handlungskompetenzen Sozialer Arbeit in Begegnung mit Fanatisierung und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit


Das letzte Eurobarometer 2015 fand deutliche Worte: "In keinem anderen europäischen Land ist die Bevölkerung in Bezug auf die Entwicklungen am Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Lage in Europa derart pessimistisch wie in Österreich." Gepaart wird dies mit der Skepsis gegenüber Migration und sinkendem Zutrauen in Lösungskompetenzen der Politik. Es gibt kaum gesellschaftliche Gruppen in Österreich, die diese Themen nicht mehrheitlich negativ sehen. Die europaweite Studie "Die Abwertung der Anderen" (Zick/Küpper/Hövermann 2011) weist nach, dass die europaweite Verbreitung und Verstärkung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GBM) an genau diese Stimmungen anschließt. Gemeint sind mit GBM abwertende Einstellungen und Vorurteile gegenüber Gruppen, die als "anders", "fremd" oder "unnormal" definiert werden. Eng damit verbunden sind Grundhaltungen, die auf Recht und Ordnung sowie Disziplin setzen, Sozialdarwinismus und die Ablehnung von Diversität.


"Ausländer sind auch nur Menschen", lautet oftmals der hilflose Versuch von Fachkräften Sozialer Arbeit KlientInnen zu begegnen, deren Weltbild und Selbsterklärungsmuster sich aus Elementen der GBM speisen. Es handelt sich dabei in der Regel nicht lediglich um falsche, korrigierbare Wissensbestände, sondern um zentrale Elemente der Identität, die überzeugende Orientierung, Zugehörigkeitsgefühle und Anerkennung bieten. Der professionelle Umgang endet im Verschweigen und damit dem Tabu. Gründe können nicht in mangelnden grundlegenden Fähigkeiten der Fachkräften gesucht werden, sondern in unzulänglichen Wissensbeständen um das richtige Handeln gegenüber Menschen, deren Identität sich aus GBM speist.


Projektkurzbericht

Das letzte Eurobarometer 2015 fand deutliche Worte: „In keinem anderen europäischen Land ist die Bevölkerung in Bezug auf die Entwicklungen am Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Lage in Europa derart pessimistisch wie in Österreich.“ Gepaart wird dies mit der Skepsis gegenüber Migration und sinkendem Zutrauen in Lösungskompetenzen der Politik. Es gibt kaum gesellschaftliche Gruppen in Österreich, die diese Themen nicht mehrheitlich negativ sehen. Die europaweite Studie „Die Abwertung der Anderen“ (Zick/Küpper/Hövermann 2011) weist nach, dass die europaweite Verbreitung und Verstärkung Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GBM) an genau diese Stimmungen anschließt. Gemeint sind mit GBM abwertende Einstellungen und Vorurteile gegenüber Gruppen, die als ‚anders‘, ‚fremd‘ oder ‚unnormal‘ definiert werden. Eng damit verbunden sind Grundhaltungen, die auf Recht und Ordnung sowie Disziplin setzen, Sozialdarwinismus und die Ablehnung von Diversität.
„Ausländer sind auch nur Menschen“, lautet oftmals der hilflose Versuch von Fachkräften Sozialer Arbeit KlientInnen zu begegnen, deren Weltbild und Selbsterklärungsmuster sich aus Elementen der GBM speisen. Es handelt sich dabei in der Regel nicht lediglich um falsche, korrigierbare Wissensbestände, sondern um zentrale Elemente der Identität, die überzeugende Orientierung, Zugehörigkeitsgefühle und Anerkennung bieten. Der professionelle Umgang endet im Verschweigen und damit dem Tabu. Gründe können nicht in mangelnden grundlegenden Fähigkeiten der Fachkräfte gesucht werden, sondern in unzulänglichen Wissensbeständen um das richtige Handeln gegenüber Menschen, deren Identität sich aus GBM speist.
 

Die Gruppe Ceresna et al. widmet sich dem Umgang von SozialarbeiterInnen mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Praxis. Als Erhebungsmethoden wurden Interviews und Gruppendiskussionen verwendet, als Auswertungsmethode die Grounded Theory. Die Forschungsgruppe untersucht, inwiefern SozialarbeiterInnen bezüglich der Thematik einen Auftrag sehen und welche weiteren Begründungszusammenhänge von ihnen dargelegt werden. Des Weiteren werden Kriterien für den Handlungsbedarf der ProfessionistInnen, bereits vorhandene Interventionsmöglichkeiten und die Auswirkung des Settings auf diese, analysiert. Zuletzt wird die Arbeit mit Situationen, in denen SozialarbeiterInnen selbst zum Feindbild der KlientInnen werden, abgerundet.
Die Gruppe Emberger et al. beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von und dem Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Organisationen der Sozialen Arbeit. Trotz der aktuellen Präsenz des Themas gibt es derzeit kaum wissenschaftliche Erhebungen dazu. Die Analyse ist deshalb als Grundlagenforschung zu verstehen, wofür ebenfalls das methodische Vorgehen der „Grounded Theory“ ausgewählt wurde. Nach einer allgemeinen Einführung in die Thematik teilt sich die Masterthese in drei Teilarbeiten auf:
Matthias Klampfl analysiert die Wahrnehmung und den Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auf der Leitungsebene der beforschten Organisationen. Judith Emberger widmet sich dem Phänomen auf der Teamebene, wobei hier ein besonderes Augenmerk auf formelle und informelle Aushandlungsstrategien bezüglich des Umgangs mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gelegt wird. David Stelzig setzt sich schließlich mit der Frage auseinander, wie sich Organisationen der Sozialen Arbeit davor schützen können, die eigenen AdressatInnen aufgrund von Gruppendefinitionen und Gruppenzuschreibungen zu diskriminieren.
 

Publikationen

Masterarbeiten

Ceresna, Jasmin / Milicevic, Sanda / Unger, Thomas / Weißenböck, Karin / Windpassinger, Gernot / Windpassinger, Julia (2018): Der Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Sozialen Arbeit. Masterarbeit, FH St. Pölten.
Phairda Link: https://phaidra.fhstp.ac.at/o:3069


Emberger, Judith / Klampfl, Matthias / Stelzig, David (2018): UMgehen statt UmGEHEN. Handlungsfähigkeit in Organisationen der Sozialen Arbeit im Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Masterarbeit, FH St. Pölten.
Phaidra Link: http://phaidra.fhstp.ac.at/o:3395

 

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FH-Dozentin
Department Soziales
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