Kreislaufwirtschaft für alle – Incentives, Enabler und Inhibitoren für einen nachhaltigen Konsum

Analyse des milieuspezifischen Konsumverhaltens zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft.

 

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Hintergrund

Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenverknappung machen es unumgänglich, das derzeit vorherrschende lineare Wirtschaftssystem, welches durch die Schlagworte „Make, Use, Throw away“ charakterisiert werden kann, in ein zirkuläres System mit mehr „Repair, Reuse, Recycle“ – also eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft– umzuwandeln. Neue Methoden des Recyclings oder die Wiederverwendung von Abfallprodukten erhalten bereits viel Aufmerksamkeit, das Verhalten der Konsument*innen und die Einbindung breiter Bevölkerungsschichten werden jedoch noch zu wenig in den Fokus genommen. Ohne Änderungen im Konsumverhalten ist das Konzept der Kreislaufwirtschaft aber nicht ausreichend wirksam. Es bedarf daher geeigneter milieuspezifischer Maßnahmen, um das Konsumverhalten gezielt so zu verändern, dass eine Kreislaufwirtschaft möglich wird.

Projektinhalt

Die Förderung einer Kreislaufwirtschaft und die damit einhergehenden Veränderungen des Konsumverhaltens sollten eng mit sozialer Inklusion (d.h. der Möglichkeit gesellschaftliche und soziale Prozesse mitgestalten zu können) verknüpft sein. Leitlinien für mögliche Strategien in dem Bereich sind die neun „R“s der Kreislaufwirtschaft (umfasst z.B. reduce, repair, reuse, recycle), wobei in diesem Projekt das Augenmerk vor allem auf Reduzieren, längeres Nutzen, Wieder- und Weiterverwenden, Reparieren und Wiederverwertung (Upcycling) liegen soll. Inwieweit soziostrukturelle (Gesetze, Normen, Kultur usw.) und individuelle (Einkommen, Informationsgrad, Alter, Geschlecht usw.) Faktoren eine Rolle spielen, wird ebenfalls berücksichtigt. Diese Faktoren spannen einen Raum auf, der die Möglichkeiten Ziele zu verwirklichen, eingrenzt. Nachhaltiger Konsum kann daher je nach den sozialen Umständen und der individuellen Ausgangspositionen nur innerhalb bestimmter „Konsum-Korridore“ stattfinden.   

Ziel

In dem vorliegenden Projekt wird untersucht, wie soziale und persönliche Umstände die Spielräume für Konsumverhalten mitbestimmen und welche Schritte notwendig sind, das derzeitige lineare Wirtschaftssystem in eine Kreislaufwirtschaft umzubauen. Es wird erhoben

  • welche Verwirklichungsmöglichkeiten die österreichische Bevölkerung hat (oder selbst sieht), um eine Kreislaufwirtschaft in einem größeren Ausmaß zu etablieren.
  • ob/inwieweit bei Konsumentscheidungen Nachhaltigkeit oder kreislaufwirtschaftliche Überlegungen eine Rolle spielen.
  • welche Interventionen aus Sicht der Befragten hin zu einem nachhaltigen Möglichkeitsraum und nachhaltigen Konsumentscheidungen gesetzt werden sollten. 

Es ist zu erwarten, dass abhängig von sozioökonomischen Faktoren Unterschiede bezüglich der Optionen, die Einzelpersonen zur Verfügung stehen, sichtbar werden. Darauf lassen sich Konzepte bauen, die auf individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten abgestimmt sind und adressat*innengerechte Interventionen erlauben.

Methodik

Die „R“s (reduce, repair, reuse, recylce etc.) der Kreislaufwirtschaft als ein erster Faktor werden mit Branchen und Milieus als den zwei weiteren Faktoren zu einem Circular Economy Cube (CEC) zusammengefasst. Auf Basis dieses CEC und mit Hilfe von Circularity Scores werden Potentiale für Änderungen herausgearbeitet. Die wissenschaftliche Grundlage für den CEC liefern eine systematische Literaturanalyse sowie Befragungen von Fokusgruppen, bei denen die Anforderungen, Motive und Einstellungen von Konsument*innen und ihr Kauf- und Nutzungsverhaltens erhoben werden. Die Fokusgruppen werden durch ein Expert*innen-Panel ergänzt, Vorschläge für mögliche Konsumänderungen in weiteren Gruppendiskussionen validiert und mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen eine repräsentative Online-Befragung durchgeführt. All das legt die Basis für milieuspezifische Maßnahmenempfehlungen, die mit relevanten Stakeholdern in einem Workshop evaluiert werden.

Ergebnis

In dem vorliegenden Projekt werden zielgruppenspezifische Maßnahmen erarbeitet, die einer Kreislaufwirtschaft den Weg ebnen. Dafür wird ein Circular Economy Cube (CEC) entwickelt, mit dem branchen- und zielgruppenspezifische Potentiale sichtbar gemacht und milieuspezifische Strategien der Kreislaufwirtschaft für die gesamte österreichische Bevölkerung abgeleitet werden können. Entscheidungsträger*innen und anderen Akteuren wird damit ein Instrument an die Hand gegeben, das künftige Weichenstellungen in Bezug auf Konsum- und FTI-politischen Agenden in Richtung Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit erleichtert.

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Senior Researcher Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung
Department Bahntechnologie und Mobilität
Arbeitsplatz: B - Campus-Platz 1
M: +43/676/847 228 481
PartnerInnen
  • tbw research GesmbH
Finanzierung
FFG (Kreislaufwirtschaft)
Laufzeit
10.01.2022 – 08.09.2022
Projektstatus
laufend
Beteiligte Institute, Gruppen und Zentren
Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung
Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung
Institute for Innovation Systems