GovMed - Governance offener Daten und digitaler Plattformen

Untersucht inwieweit und auf welche Weise die Geschäftstätigkeiten von Internetunternehmen der digitalisierten Wirtschaft reguliert werden sollen.

Hintergrund

Digitale Plattformen bieten ihren Kund*innen viele Vorteile. Sie erleichtern das rasche Auffinden von Produkten oder Dienstleistungen, vereinfachen es, Preise und Anbieter zu vergleichen und sind zumeist bequem zu bedienen. Darüber hinaus stiften sie volkswirtschaftlichen Nutzen durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze, neuer Technologien oder Produktionsmethoden. Jedoch verändern die digitalen Plattformen mit ihren Geschäftsmodellen auch die ökonomischen Strukturen. Diese Veränderungen können Verwerfungen nach sich ziehen, die über die Wirtschaft hinaus auf auch politischer und sozialer Ebene spürbar werden. Konzerne wie Amazon, Apple, Alphabet und Netflix etc. versuchen zum Beispiel, ihren jeweiligen Markt zu dominieren und Preissetzungsmacht zu erlangen. Es drohen daher Informationsmonopole, Marktkonzentration und in der Folge Abhängigkeiten von einigen wenigen Anbietern.

Projektinhalt

In dem vorliegenden Projekt wird „Open Data“ weiter als üblich gefasst und schließt neben Datenbanken auch Software und andere Inhalte mit ein, da eine klare Trennung ohnehin kaum mehr möglich ist. Zur Diskussion steht, wie der Umgang mit offenen Daten reguliert werden soll. Die Unternehmen stellen ihre Daten und Anwendungen zwar oft frei zur Verfügung, jedoch bilden die resultierenden privaten (oder „geschlossenen“) Daten den Kern der Wertschöpfung. Es werden nicht nur persönliche Daten kommerzialisiert, sondern auch zuvor offene Daten weniger verfügbar gemacht und die Informationsvielfalt eingeschränkt. Studien zeigen außerdem, dass Geschäftsmodelle, die auf offenen Daten beruhen, oft zu Marktkonzentrationen führen und damit der Anspruch der freien Verfügbarkeit konterkariert wird. Weil einige Plattformen (z.B., Google, Facebook) auch die Hoheit über bestimmte Medieninhalte haben, verschwimmen zudem die Grenzen zwischen Technologie- und Medienunternehmen. All das ist nicht nur eine Herausforderung für die Wirtschaftspolitik, sondern wirft auch Fragen ethischer Natur auf. Es bedarf daher Überlegungen inwieweit steuernd eingegriffen werden soll und auf welche Weise Medienrecht, Medienpolitik und Medienethik von den Geschäftstätigkeiten digitaler Plattformen berührt sind.

Ziele

Das Forschungsprojekt nimmt die Geschäftsmodelle von digitalen Plattformen genauer in Augenschein. Es gilt zu klären, ob und in welchem Ausmaß eine verstärkte Regulierung notwendig ist, um mögliche negative Wirkungen auf die Wissensallmende und den Zugang zu Informationsgütern abzufangen. Besonderes Augenmerk wird in diesem Zusammenhang auch dem Spannungsfeld zwischen privaten Daten und offenen Daten gewidmet. Die leitende Forschungsfrage ist, welche Freiheiten und welche Verantwortung Unternehmen der digitalen Plattformökonomie haben sollen, wenn man sie als Technologie- und als Medienunternehmen definiert und welche Regulierungsmaßnahmen es von Seiten der Politik braucht. Das übergeordnete Ziel ist die Entwicklung eines Governance-Modells. Es soll der Wirtschafts- und Medienpolitik als Instrument dienen, um die Regulierungsmöglichkeiten für digitale Plattformen auf genereller Ebene und die offenen Geschäftsmodelle dieser Plattformen im speziellen zu beurteilen.

Methodik

Das methodische Vorgehen in diesem Projekt gliedert sich in mehrere Teilschritte. Im ersten Teil wird Material aus dem Themenkreis „Open Data“, digitale Plattformunternehmen und Regulierungsmöglichkeiten zusammengetragen. Auf diesen Grundlagen wird ein grobes Governance-Modell entwickelt. Der zweite Teil umfasst Expert*inneninterviews mit verantwortlichen Manager*innen von Plattform-  und Medienunternehmen sowie Akteur*innen, die Open Data in ihrem Geschäftsmodell nutzen. Ziel ist es, die verschiedenen Szenarien für Open-Data Geschäftsmodelle zu skizzieren. Darauf aufbauend werden Schlüsse für Regulierungsmaßnahmen gezogen, um Konzentrationstendenzen und Einschränkungen der Informationsvielfalt zu verhindern.  Außerdem liefern die Expert*inneninterviews den Rahmen und die Inhalte für eine experimentelle Forschung. In dem Experiment werden Verhaltensweisen und Reaktionen von Führungskräfte der mittlerer und höherer Managementebenen auf Regulierungs- und Governance-Modelle bei digitalen Plattformen und Open Data-Geschäftsmodellen getestet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden zuletzt in Fokusgruppen diskutiert und auf diese Weise auf ihre Validität geprüft.

Ergebnis

Die während des Projektes gewonnenen Erkenntnisse stehen der Wirtschafts- und Medienpolitik zur Verfügung, um informierte Entscheidungen darüber zu treffen, auf welche Weise digitale Plattformen reguliert werden können, aber auch um abzuschätzen, welche Auswirkungen bestimmte Regulierungsmaßnahmen haben. Die Unternehmen selbst profitieren jedoch auch, denn sie erhalten Wissen darüber, wie sie Schritte zur Selbst- oder Koregulierung setzen können, um rechtlichen Steuerungsmaßnahmen zuvorzukommen. Alles in allem, ergeben sich durch die Verbindung von medienökonomischen mit medienethischen Überlegungen neue Blickwinkel auf die Möglichkeiten zur ökonomischen und ethischen Governance von digitalen Plattform-Geschäftsmodellen.

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Forschungsgruppenleiter
Forschungsgruppe Media Business
Institut für Creative\Media/Technologies
Department Medien und Digitale Technologien
Arbeitsplatz: B - Campus-Platz 1
T: +43/2742/313 228 424
M: +43/676/847 228 424
Externe MitarbeiterInnen
Florian Saurwein
Finanzierung
ÖNB Jubiläumsfonds
Laufzeit
01.09.2021 – 28.02.2023
Projektstatus
laufend
Beteiligte Institute, Gruppen und Zentren
Forschungsgruppe Media Business