MLKOA-Motorisches Lernen bei Kniearthrose

Untersuchung der Effektivität eines neuen Behandlungsansatzes bei Personen mit Kniearthrose.
PartnerInnen
  • Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer (Donauuniversität Krems)
  • Dr. Andreas Kranzl (Orthopädisches Spital Speising)
  • Univ. Prof. Dr. Patrick Platzer (Universitätsklinikum St. Pölten)
Finanzierung
NFB-Life Science Calls
Laufzeit
01.11.2018 – 31.10.2021
Projektstatus
laufend
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Krankheitsbild Kniearthrose 

Bei Kniearthrose handelt es sich um eine degenerative Erkrankung mit einer entzündlichen Komponente. Diese führt bei betroffenen Personen häufig zu Einschränkungen in der Ausübung alltäglicher Tätigkeiten. Zahlreiche Untersuchungen haben bewiesen, dass Trainingstherapie zu sehr guten Kurzzeitergebnissen in Bezug auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Kniegelenksfunktion führt. Mittel- und langfristige Verbesserungen konnten jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. Als Grund dafür wird vermutet, dass durch herkömmliche Maßnahmen keine Anpassung des Bewegungsverhaltens erzielt wird, die jedoch notwendig ist, um dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. Zur Förderung dieser Anpassungsprozesse bedarf es Maßnahmen aus dem Bereich des „motorischen Lernens“.  

Motorisches Lernen 

Motorisches Lernen (ML) beschäftigt sich mit der permanenten Verbesserung von Bewegungsabläufen, sodass diese ökonomisch und ohne dem Auftreten von erhöhten Gelenksbelastungen bzw. inadäquaten Muskelansteuerungsmustern ablaufen können. In der Rehabilitation stellt ML die Grundlage für das (Wieder)erlernen von Bewegungsabläufen nach Verletzungen des Zentralnervensystems (ZNS) bzw. des muskuloskelettalen Systems dar. Die dazu führenden Lernprozesse sind gekennzeichnet durch sichtbare Veränderungen im ZNS (Neuroplastizität), welche wiederum zunehmend Forschungsgegenstand in den Neurowissenschaften sind. 

In der Rehabilitation konnten bereits zwei Modalitäten nachgewiesen werden, die das ML unterstützen: die Optimierung von Übungsbedingungen und der gezielte Einsatz von Instruktionen und Feedback beim Erlernen von Bewegungsabläufen. So führte der Einsatz spezieller Instruktions- und Feedbacktechniken bei Patientinnen und Patienten mit einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes zu einer deutlich sichereren Durchführung von Sprungbewegungen, wodurch das Wiederverletzungsrisiko reduziert wird. Diese Ergebnisse können auch für Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose relevant sein, die vergleichbare funktionelle Einschränkungen und Veränderungen im Zentralnervensystem aufweisen. 

Neuer Behandlungsansatz 

In diesem Projekt werden die kurz- und mittelfristigen Effekte eines Trainingsprogramms, das auf Prinzipien des motorischen Lernens beruht, jenen eines herkömmlichen Trainingsprogramms gegenübergestellt. Im Fokus stehen hierbei das Schmerzverhalten, die Kniegelenksfunktion und die Biomechanik von Patienten und Patientinnen mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden entweder der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeteilt, wobei beide Gruppen das gleiche Trainingsprogramm absolvieren, welches sich ausschließlich durch die Art der Instruktionen und des Feedbacks unterscheidet. Das Programm wird als Gruppentherapie über einen Zeitraum von 6 Wochen durchgeführt und von einem 6-wöchigen Hausübungsprogramm gefolgt.