Unterstützungskonferenz im Kontext der Betreuung älterer Familienangehöriger



Betreuungs- und Pflegeleistungen werden im familiären Kontext meist durch Frauen erbracht, die die Hauptverantwortung für die Betreuungssicherheit der zu betreuenden Person übernehmen. Die Koordination und Durchführung von Hilfs- und Unterstützungsleistungen sind so vorwiegend auf eine Person konzentriert. Andere Familienmitglieder übernehmen oft nur temporäre Unterstützungsleistungen. Es kommt zu erheblichen Belastungen und gesundheitlichen Gefährdungen für die Betreuungspersonen.


Die Familienkonferenz als unterstützendes Verfahren der sozialen Arbeit hätte im Kontext der Betreuung älterer Familienangehöriger das Potential, diese Dynamik aufzubrechen. In diesem Masterprojekt evaluierten Studierende die Familienkonferenz im Sinne einer Unterstützungskonferenz im Kontext der Betreuung älterer Familienangehöriger. Sie nahmen aus der Praxiserfahrung eine konzeptionelle Konkretisierung vor und erstellten ein praxistaugliches Konzept.


Ergebnisbericht

Im Zuge der im Projekt durchgeführten Forschung wurde deutlich, dass Koordinator*innen von Unterstützungskonferenzen aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind.

Die im Praxisfeld der Betreuung älterer Menschen und ihrer Angehörigen kaum vertretene Profession Soziale Arbeit sowie die fehlende Einbettung des Verfahrens in vorhandene Angebotsstrukturen machen methodische Anpassungen erforderlich. Dazu kommt, dass im Unterschied zum Bereich der Jugendwohlfahrt Familien von keiner Stelle dazu verpflichtet werden können, eine Unterstützungskonferenz in Anspruch zu nehmen. Die Entscheidung für eine Inanspruchnahme basiert ausschließlich auf Freiwilligkeit. Ein entscheidendes Kriterium für das Gelingen einer Unterstützungskonferenz ist – wie die Forschung gezeigt hat – eine umfassende Abklärung der Situation (Clearing) im Vorfeld einer Unterstützungskonferenz. 

In Hinblick auf die Frage, welche Voraussetzungen für ältere Menschen und deren Angehörige erforderlich sind, um die Inanspruchnahme einer Unterstützungskonferenz in Erwägung zu ziehen, konnte auf Basis von Befragungen im Rahmen von Gruppendiskussionen folgendes festgestellt werden: Ältere Menschen würden die Teilnahme an einer Unterstützungskonferenz eher dann in Erwägung ziehen, wenn sie sich an positiven Erfahrungen und best-practice-Beispielen orientieren können, sowie eine klare Vorstellung vom Verfahren haben und sich mit den verwendeten Begrifflichkeiten identifizieren können. Der Miteinbezug relevanter Schlüsselpersonen aus dem familiären und sozialen Umfeld ist für sie ebenso wichtig wie die aktive Teilnahme an der Hilfeplanung, die Möglichkeit aus mehreren Lösungsvarianten auszuwählen und eigenverantwortlich eine Zukunftsperspektive gestalten zu können. Für Angehörige sollte eine Unterstützungskonferenz hingegen eher rasche Entlastung, Lösungsorientierung und Verminderung alleiniger Verantwortung in Aussicht stellen. Bei ihnen muss bereits ein hoher Druck zur Situationsveränderung gegeben sein. Wichtig ist für sie auch Wertschätzung für ihre bisherigen Bemühungen hinsichtlich Betreuung und Pflege zu erfahren. Zentral für sie ist auch familiäres Commitment in Hinblick auf die Teilnahme an einer Unterstützungskonferenz, Klarheit über die Methode und ihre Begrifflichkeiten sowie die Gewährleistung einer offenen Kommunikation im Rahmen der Konferenz.

Im Projektverlauf wurde deutlich, dass eine finanzielle Förderung von Unterstützungskonferenzen im Kontext der Betreuung älterer Menschen nur auf Länderebene als realistisch erachtet wird. Vor Einführung einer solchen Förderung wären etwa in Niederösterreich vertiefende Studien erforderlich, in denen die Wirksamkeit und der Nutzen der Methode für Familien anhand von klar nachvollziehbaren Kriterien nachgewiesen werden kann. Für Tirol werden einer geförderten Umsetzung auf Basis vertiefender Studien Chancen eingeräumt, wenn es im Rahmen der Sozial- und Gesundheitssprengel unter Berücksichtigung des Pflegefondsgesetzes implementiert werden würde. Besondere Chancen für eine Implementierung der Methode konnten im Zuge der Recherchen bei einer Verbindung mit in Österreich bereits etablierten Modellen des Case Managements identifiziert werden.

Projektbericht

Masterthesen

Broschüre

Kontakt

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Institutsleiter Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung
FH-Dozent
Stellvertretender Studiengangsleiter Soziale Arbeit (MA)
Stellvertretender Departmentleiter
Department Soziales
Arbeitsplatz: B - Campus-Platz 1
M: +43/676/847 228 555
Laufzeit
14.09.2015 – 29.06.2017
Projektstatus
abgeschlossen
Beteiligte Institute, Gruppen und Zentren
Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung