GEJIDE- Groß-Enzersdorfs jüdische Gemeinde im digitalen Erinnerungsraum

Mediale Aufarbeitung und dauerhafte Bereitstellung historischer Quellen zur jüdischen Kultusgemeinde Groß-Enzersdorfs

Copyright: Topothek Groß-Enzersdorf / Josef Gartner

Hintergrund 

Die fortschreitende Digitalisierung hat in den letzten Jahren eine große Anzahl an historischen Dokumenten online verfügbar gemacht. Projekte wie Memento Wien konnten dadurch den umfassenden gesellschaftlichen Bruch, den der Nationalsozialismus darstellt, durch die Online-Veröffentlichung zahlreicher Dokumente weiter sichtbar machen und Biografien in bestimmten Stadträumen verorten. Erinnerungsprojekte wie die „Steine der Erinnerung“, etablieren außerdem seit vielen Jahren Erinnerungskultur im städtischen Raum indem sie auf die letzten Wohnorte von Vertriebenen verweisen.  Die gegenwärtige Herausforderung liegt in der weiteren Mediatisierung und Vernetzung der vorliegenden Daten, um sie für historische Sensibilisierung und als kulturelles Erbe gesamtgesellschaftlich besser zu nutzen.  Das Projekt GEJIDE nutzt die bereits etablierten Möglichkeiten der Internetarchivplattform Topothek, um die vorliegenden Dokumente zur jüdischen Gemeinde Groß-Enzersdorfs zu mediatisieren, zu ergänzen und online verfügbar zu machen.

Projektziel

Die Aufarbeitung historischer Quellen zur jüdischen Kultusgemeinde Groß-Enzersdorfs hat in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte gemacht. Publikationen wie Olga Ida Höfers akribische Zusammenstellung „Die jüdischen Gemeinden im Weinviertel und ihre rituellen Einrichtungen 1848 – 1939/45“ oder Christoph Linds „Der letzte Jude hat den Tempel verlassen“ liefern die faktische Grundlage einer weiteren Auseinandersetzung und versammeln die zentralen Dokumente und Daten in Schriftform. Ausstellungen wie die im Jahr 2013 im Rahmen des Viertelfestivals veranstaltete „Das Leben der Juden in Groß-Enzersdorf“ waren bereits in der Lage temporär eine Erinnerung an die verschwundene jüdische Gemeinde aufzurufen, und weitere Materialien in Form von Interviews hervorzubringen.

 
Ziel des Projekts GEJIDE ist es die Daten medial aufzuarbeiten und dauerhaft digital zur Verfügung zu stellen.  Als öffentliches Archiv dient die Topothek der Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf, die die Anlage von Datensätzen in einem gängigen Archivformat sowie deren Darstellung auf einer Karte erlaubt. Am Ende des Projekts soll sich die jüdische Gemeinde Groß-Enzersdorfs bis hin zu ihrer Vertreibung im Jahre 1938 über zahlreiche medial aufgearbeitete Dokumente in der Topothek abbilden. Personen, Geschäfte und Institutionen werden verzeichnet und mit den wichtigsten Basisinformationen erfasst. Ein Schwerpunkt liegt dabei aufgrund der Quellenlage und der vorliegenden historisch abgesicherten Dokumente auf dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Das zeitgleich ablaufende „Steine der Erinnerung“ Projekt wird ebenfalls vom Team filmisch dokumentiert, und in die Topothek eingebunden

Methodik 

In der Vorrecherche wurden die zentralen vorhandenen Dokumente bereits erhoben. In der ersten Phase des Projekts GEJIDE werden die Basisdaten in das Archiv der Topothek übernommen.  Soziale Basisstrukturen wie Familienzusammenhänge, Arbeitsplätze, Wohn- und andere zentrale Lebensorte werden nicht nur in der abgebildet, sondern in Form von Kurz-Clips adaptiert. Ergänzend werden Videointerviews mit Zeitzeug*innen gedreht, bzw. vorhandenes audiovisuelles Material adaptiert.  In Kooperation mit der Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf, und dem Citizen Science Ansatz der Topothek entsprechend, wird parallel ein Aufruf gestartet historisches Material beizusteuern um etwaige neue Quellen zu erschließen. 

Resultat

Das Projekt GEJIDE erschließt Fragen der digitalen Erinnerungskultur und des digitalen Erbes über eine breit etablierte Archivplattform. Die Topothek hat sich als sowohl als Citizen Science wie als Digital Heritage Projekt in Österreich sehr schnell verbreitet und große Resonanz gefunden. Die Forschungsgruppe Media Creation des Instituts für Creative\Media/Technologies erschließt Wissen über die Aufarbeitung und Entwicklung von Mediencontent für dieses Umfeld. Gleichzeitig werden die Grenzen des verfügbaren digitalen Erinnerungsraums an vielen Stellen deutlich, und es ergeben sich neue Forschungsfragen für eine Weiterentwicklung. Das Projekt GEJIDE dient zudem als Referenzprojekt für weiterführende Projekte in diesem Bereich.

Link

Projekt RegioBioGraph

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Researcher
Forschungsgruppe Media Creation
Institut für Creative\Media/Technologies
Department Medien und Digitale Technologien
Arbeitsplatz: A - Matthias Corvinus-Straße 15
T: +43/2742/313 228 644
Projektleitung
MitarbeiterInnen
PartnerInnen
  • Stadtgemeinde Groß-Enzersdorf
Finanzierung
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, Zukunftsfonds der Republik Österreich
Laufzeit
01.01.2020 – 31.12.2021
Projektstatus
laufend
Beteiligte Institute, Gruppen und Zentren
Forschungsgruppe Media Creation
Institut für Creative\Media/Technologies